Symmetrie – Zur höheren Ehre Gottes und zum Wohlgefallen des Menschen

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Die Exponate dieser Seite sind Kunstdrucke, Kalenderblätter, Bücher mit sehr vielen guten Abbildungen und auch Modelle, so z.B. das Modell des Doms von Speyer. Neben überwiegend christlichen Beispielen, finden sich auch islamische Abbildungen in der Mathothek. Ganz besonders im Islam entwickelte sich infolge des Bildnisverbotes eine großartige Kunst der Muster und Symmetrien.

Warum weisen gerade Gotteshäuser und sakrale Gegenstände so außerordentlich reiche Symmetrie auf?

Schöpfung wird in fast allen Mythen und Religionen als Überwindung des Chaos durch den Akt des Ordnens, der Harmonisierung und der Symmetrisierung dargestellt. Mit Gott verbindet sich die Vorstellung von Ordnung, Muster, Gesetzmäßigkeit, Symmetrie und Harmonie. Die ungeheuerlichste Symmetrisierung stellt wohl in der jüdischen Bibel, dem Alten Testament, die Erschaffung des Menschen dar: Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, schuf ihn also als sein Ebenbild (Spiegelbild). Die oben genannten göttlichen Prinzipien sind die Vorstufen zum Verstehen, Vorhersagen und Beherrschen der Natur als Schöpfung Gottes. Im Gegensatz dazu stehen die Angst und Furcht machenden Bedrohungen durch das Chaos: Willkür, Hilflosigkeit, Ohnmacht und Ausgeliefertsein.

So ist es mehr als verständlich, dass man gerade beim Bau von Gotteshäusern auf Symmetrie und Harmonie größten Wert legte. Dienten diese Grundsätze auf der einen Seite zur Darstellung der göttlichen Prinzipien und damit auch der Verehrung Gottes, waren sie auf der anderen Seite auch statisch enorm hilfreich und lieferten beim Bauen wichtige Konstruktionshilfen.

In diesem Beitrag muss man sich immer bewusst sein, dass hier nur zweidimensional dargestellt werden kann. Das gilt auch für die meisten Exponate zu diesem Thema. Bei räumlichen Gebilden gibt es viel mehr Symmetrien als bei ebenen Figuren: Spiegelungen an einer Ebene, einer Geraden oder einem Punkt, Drehungen an einer Geraden um Vielfache des Winkels 360°/n, wobei n eine natürliche Zahl ist, und Translationen (= Verschiebungen). Bei Fotografien werden dann aus räumlichen Symmetrien durch Projektion in die Ebene Symmetrien der Ebene, z.B. wird aus einer Drehung um 60° an einer Geraden eine Drehung um 60° an einem Punkt.

Bei einer ornamentalen Ausgestaltung einer Wand oder des Fußbodens werden sehr häufig ebene Ornamente genutzt. Bei Mustern treten Beispiele praktisch aller sieben mathematisch möglichen Symmetrietypen von Bandornamenten und vieler der 17 mathematisch möglichen Symmetrietypen möglicher Flächenornamente auf. In der Alhambra in Granada (Spanien) sollen alle 17 Symmetrietypen von den maurischen Künstlern verwandt worden sein.

Aus der Sammlung von Kunstdrucken:

Kirchenfenster

Langschiffe

Gewölbe

Andere Bauteile

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Markus-Kathedrale in Venedig                               Tadj Mahal in Indien

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Hier einige Bücher zum Thema:

Buch: Kathedralen – Die schönsten Kirchenbauten aus 1700 Jahren, Herausgegeben von Rolf Toman

Buch: Was ist Gotik? Günther Binding, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt

Buch: Maurische Architektur in Andalusien von Marianne Barrucand und Achim Bednorz

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Bei meinem ersten Besuch in einer wirklich großen Kirche – es war der Kölner Dom – wurde es mir nach dem Eintritt regelrecht schwindlig und schlecht. Erst nach dem ich mich in eine Bank gesetzt hatte und durch das Betrachten des Gewölbes die Symmetrie des Grundrisses und weitere Symmetrien erfasste, ging die Übelkeit in Staunen und Genuss über. 

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Ein paar Bemerkungen zur barocken Karlskirche in Wien

Die Fassade ist in ein gedachtes gleichschenkliges Dreieck gefügt, ein Symbol für das Auge Gottes oder auch Gott selbst. Die einzelnen Bauteile sind dann absolut spiegelbildlich aufgestellt und sind Anspielungen auf die großen Religionen der Welt: Da steht der griechische Tempel und stehen die beiden Rundtürme, die Trajanssäule in Rom zitierend, für die antike Basis des Christentums. Wobei man in diesen beiden Türmen auch Minarette sehen kann, und so einen Hinweis auf den Islam. Rechts und links außen lassen sich zwei Pagoden erkennen, ein Hinweis auf die Religionen im Osten Asiens. Aber über allem erhebt sich das Zitat der Kuppel der Peterskirche in Rom, das römisch-katholische Christentum. Ein Hinweis auf das Judentum, ein Fenster in Form eines Hexagons (Davidsterns), findet man im Inneren der Kirche, und zwar über dem Hochaltar. Das Zitat des griechischen Tempels ist klassisch ein goldenes Rechteck, d.h. Länge und Höhe des Eingangsbaues – ohne Giebeldreieck – stehen im Verhältnis des goldenen Schnitts.


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