Ein Objekt, das Jung und Alt – meistens allerdings erst auf den zweiten Blick – in seinen Bann schlägt, stammt nicht von einem Flohmarkt, sondern aus der Psychologie. Es ist nicht bunt, enthält keine sofort zu erkennenden Figuren, Motive und auch kein klar erkennbares Muster. Trotzdem fasziniert dieses Sechseck die meisten Besucher und lässt diese so schnell nicht los.

Wir erkennen für kurze Momente immer wieder so etwas wie verschiedene Kreise, aber auch Ansätze von Wellen usw.. Diese scheinen sich allerdings gleich wieder durch neue Strukturelemente, die wir zu erkennen glauben, aufzulösen. Uns beschleicht ein frustrierendes Gefühl von Chaos und Zweifel. Statt übersichtliche Strukturen zu entdecken, und das heißt Symmetrien, regelmäßige Muster und Wiederholungen oder Ähnlichkeiten zu finden, verlieren wir uns in scheinbar völliger Unberechenbarkeit. Das bereitet uns Verwirrung, Frustration und Unbehagen.
Welche Wohltat sind dagegen die folgenden Bilder von drei Lösungen dieses Legespiels, die aus den vom Flohmarkt stammenden und für die Mathothek „aufgehübschten“ Objekte gestaltet wurden. Wir entdecken klare verwandte Formen, nämlich Polyominos, die aus zwei, drei, vier oder fünf kongruenten Quadraten zusammengesetzt worden sind. Angenehme Farben lassen uns kongruente Polyominos leicht erkennen und unterscheiden. Bei dem ersten Beispiel lässt sich somit schnell erkennen, dass kein besonderes Muster vorliegt. Anders ist das bei den anderen beiden Beispielen: Hier finden wir jeweils fünf Wiederholungen, die durch Verschiebung eines regelmäßigen“Streifens“ aus acht verschiedenen Polyominos bestehen.



Diese aus angenehmen dünnem Holz gemachten Polyominos mit den klaren Farben lassen sich zu verschiedenen Mustern in den dazugehörigen rechteckigen Rahmen legen, ohne Lücke und ohne Überschneidungen. Dabei ist Polyomino ein von Domino abgeleitete Bezeichnung. Während Dominosteine aus nur zwei deckungsgleichen Quadraten bestehen, bestehen die Polyominos dieser Aufgabe aus zwei, drei, vier oder fünf zusammengesetzten kongruenten Quadraten. Zwei Teilquadrate eines Polyominos dürfen immer nur mit je einer ganzen Kante deckend zusammenhängen. Ein Versuch, ein achsensymmetrisches Bild zu legen scheitert an der vorgegebenen Auswahl von Polyominos für dieses Objekt.

Dieser kleine Flohmarktfund zeigt ganz spielend und so nebenbei, dass wir Menschen geradezu „süchtig“ sind nach der Schönheit der Wiederholung, nach Symmetrien und Muster aller Art. Diese „Sucht“ nach mathematischen Strukturen ist jedoch nicht nur ein ästhetisches Luxusbedürfnis, sondern eine wesentliche Hilfe bei dem wissenschaftlichen Verstehen der Welt überhaupt.
Dieser „Flohmarkterwerb“ ist besonders bei den jüngeren Besuchern der Mathothek sehr beliebt. Nach dem Grund befragt, lauten die Antworten regelmäßig, dass neben der Aufgabenstellung auch die Formen, Farben und das angenehme Holz eine Rolle spielen.

Ebenfalls um Polyominos geht es beim nächsten Flohmarkterwerb. Auch hier geht es darum, aus den allerdings aus Kunststoff bestehenden Polyominos Muster zu legen und vielfältige und wichtige geometrische Entdeckungen zu machen, besondere Symmetrien und Muster zu erkennen und zu verstehen. Deshalb ist der zu diesem Exponat gehörige sehr reiche Satz von Karten mit didaktisch gut gemachten Anleitungen und Anregungen ein wesentlicher Bestandteil dieses Experiments. Übrigens sind die Polyominos der beiden Geometrieexponate der Mathothek kongruent und können – wenn man vom Material aus dem die beiden sind einmal absieht – auch zusammen benutzt werden.




Für die jüngsten Besucher der Mathothek gibt es auch ein Angebot, das vom Flohmarkt seinen Weg in die Mathothek fand, leider nicht unbedingt aus einem Material und von keiner Farbe, die in der Mathothek besonders willkommen sind:


Wer erkennt, dass es sich hier nach Geruch und Konsistenz nicht um köstliche Möhren oder Karotten handelt, darf hier gerne ein kleiner Architekt sein und mit klassischen Formen spielen.
Die Entstehungsgeschichten der riesigen Anzahl von Objekten und Experimenten der Mathothek sind so vielseitig und bunt, wie sie selbst. Gemeinsam ist ihnen aber immer ihre Ästhetik und Verführungskraft. So wurde aus einem ganz normalen Klassenraum die magische Welt der Mathothek.